1904

 

20. Verbandsschießen 1904

 

Vom 3. bis 10. Juli 1904 gab es das größte schießsportliche Spektakel, welches jemals in Bingen zu besichtigen war. Es war das XX. Verbandsschießen des Badischen Landesschützen- Vereins und des Pfälzischen und Mittelrheinischen Schützenbundes, unter dem Protekorat Sr. Königlichen Hoheit, des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein.

Die Schützen kamen aus Straßburg (damals mal wieder deutsch) und Berlin, aus München und Köln. Die Pokale und Preise waren - nach heutiger Kaufkraft - immens wertvoll. Es wird von über 700 Goldgulden berichtet.

Als gute Gastgeber hatten die Bingen ein Probefest gefeiert, und nach Gelingen ein würdiges Telegramm mit einer Dankadresse an den Landesherrn gesandt. Seine königliche Hoheit konnte also am Freitag kommen und sicher sein, mit Glockengedröhn und Hochrufen empfangen zu werden.

Ein musikalischer Weckruf hatte die Binger in der Früh' aus den Federn geblasen, damit auch ja keiner den Festzug der Tausende versäumen möge. Nicht weniger als 1200 Personen nahmen am Festbankett teil. Dabei wurde der Rheinsalm und der Gänsebraten sehr gelobt, obwohl die beiden Köche zwischendurch einen handfesten Krach hatten.

Die Kapelle intonierte flotte Weisen, und die Binger Gesangsvereine hatten ihre Kehlen vereinigt und boten, enthusiastisch gefeiert, ihr vaterländisches Repertoire dar.

 

 

Als dann am Freitag um 16.30 Uhr der Großherzog eintraf, schöpften Bürgermeister Neff und Schützenmeister Carl Gräff II. tief Luft und eilten, den Landesherrn geziemend zu begrüßen. Später wurde diesem sogar der Vereinsdiener Kruzius vorgestellt, dem es jedoch angesichts des Monarchen die Sprache verschlug.

 

Der Turnverein bot geradezu akrobatische Vorstellung und gegen 18.00 Uhr konnte Seine Königliche Hoheit befriedigt das Fest mit seinem Kraftwagen verlassen. Bedauerlich nur, daß SKH das prächtige Feuerwerk verpasste, wie auch den Ballonaufstieg von Frl. Paulus aus Frankfurt, die jedoch vor Rüdesheim in den Rhein stürzte, zwar naß, aber wohlbehalten und glücklich geborgen wurde.

Die nächste Attraktion sollte in Gestalt von sage und schreibe 20(dreißig) Landtagsabgeordneten auftreten, die von Kollegen Pennrich freudig begrüßt und der Sitte gemäß trefflich bewirtet wurden. Man darf annehmen, daß die Herrn Abgeordneten ihren Rückweg im Saloonboot in Hochstimmung antraten.

Die Binger Zeitungen widmeten dem siebentägigen Fest täglich ganze Seiten, und am Schluß kam eine prächtige Festschrift dabei heraus. Aber auch anderswo feierte die Presse alle Teilnehmer und Pokalgewinner geradezu überschwenglich. Man war dazumal eben unbefangen gegenüber den Schützen und ihrem Sport.