28. Oktober 1471

Societas Sagittariorem Bingium

Erstes urkundlich nachweisliches Wettschießen

 


 

Es ging um drei Ochsen, wie die Frankfurter Regesten aussagen, als das erste bekannte Wettschießen in Bingen stattfand.

Zuvor hatten die Binger Pfeilschützen - nichts anders besagt der Name - der Sitte gemäß einen "Ladbrief" nach Frankfurt gesandt, um zum Wettkampf aufzufordern. Das denkwürdige Datum - es war Montag, der 28.Oktober - also nach der Weinlese.

Einen der Ochsen gewann der Frankfurter Henne Scherer, der den Ochsen in die Farben seines Magistrats -schwarz-braun- kleiden und in die Kaiserstadt am Main treiben ließ.

In der Frankfurter Chronik von Lersner liest sich das so: "Eodem Anno, auf den Tag Simonis und Judae waren wir zu Bingen auf einem Schießen / da schoß man umb drey Ochsen / und gewann der Scherer Henn den anderen Ochsen 7 den kleidet man in brawn und schwartz / so damals seines Ehrbarn Raths Farbe war / also brachte man ihn anhero".

Ein anderer alter Text besagt, daß "die ganze Gesellschaft von Schützen und Schießgesellen war unter Trommeln und Pfeifen in guter Ordnung zum Schießplatz gezogen, wo ein Siebenerausschuß über Mängel und Irrtümer entschied. Sämtliche Büchsen wurden genau nachgesehen und "alle geriffelte, geschraubte, gezogene und ungewöhnliche Büchsen und beträchtliche Kugeln verboten".

Man schoß also wahrscheinlich mit Feuerwaffen, und hatte gleichwohl aus alter Tradition den ehrwürdigen Namen "Sagittariorem societas" Gesellschaft der Pfeilschützen beibehalten. Denn, auch im Jahre 1535 taucht dieser Name wieder aus.

Wer die anderen Rindviecher gewann, ist nicht überliefert, aber deren Schicksal scheint bei der Esslust und Festesfreude unserer schießenden Vorfahren klar zu sein. Die Frankfurter indes zogen weiter nach Eltville und Hochheim, wo weitere Wettschießen ausgetragen wurden. Das ist urkundlich belegt.

(Aus "Das Buch der Jahrhunderte 525 Jahre Binger Schützengesellschaft 1471 e.V."